mit Dr. Salvador Oberhaus

vom 20.01.2015
um 18 Uhr
in Neuwied, Am Güterbahnhof 15-17

Die Fragen nach den Ursachen und Verantwortlichkeiten für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges werden im Grunde genommen schon seit August 1914 kontrovers diskutiert. Die Antworten fallen je nach Sprechort, politischem Standpunkt und Betroffenheit von den Ereignissen diametral aus – damals wie heute. Gleichwohl hatte sich in den 1930er Jahren die Auffassung des britischen Kriegs-Premier David Lloyd Georgs als Allgemeinplatz etabliert, der gemäß die Staatsmänner der Großmächte in den Krieg „hineingeschlittert“ seien. Laut gängiger Lesart war also niemand so richtig für des Ausbruch des Ersten Weltkrieges verantwortlich. Fritz Fischer und seinen Schülern gelang es, diese These, trotz mancher Überspitzung, nachhaltig zu erschüttern und eine deutsche Hauptverantwortung für den Krieg nachzuweisen. Die Hauptverantwortung des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns für die Auslösung des Krieges ist heute weitgehend anerkannt.

Allerdings ist im Erinnerungsjahr 2014 in der Bundesrepublik eine öffentliche Debatte zu beobachten, in welcher sich die „Schuld-Diskurse“ verschoben haben. Nicht Deutschland, sondern je nach Einschätzung Frankreich, Russland, England und/oder Serbien seien hauptverantwortlich zu machen. Muss also die Frage nach Ursachen und Verantwortlichkeiten neu beantwortet werden? Wie sind die Thesen Christopher Clarks, Herfried Münklers oder auch Jürgen Angelows und anderer zu bewerten? Worin unterscheidet sich die Fachdebatte unter den HistorikerInnen von den Debatten in den Feuilletons? Welche Schlussforderungen sind aus der Perspektive linker Geschichtspolitik zu ziehen? Diese und andere Fragen werden im Vortrag diskutiert.

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Mitschnitt „Also doch hineingeschlittert“

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